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Spät war es am vergangenen Sonntagabend, eigentlich schon Dienstschluss am Bereitschaftstelefon als es klingelte. Der Anrufer?

Die Polizei:

Man habe einen Transporter aus der Ukraine angehalten, in dem sich einige Katzen befänden. Man zweifle an den Altersangaben in den Papieren der Tiere, ob wir vom Tierschutz einmal kommen könnten?

Zwei Kolleginnen fuhren umgehend los. Am Transporter angekommen, war deutliches und anhaltendes Gebell zu hören. Seit wann bellen Katzen?

Das Bild das sich bot kennt man vielleicht irgendwo aus dem Fernsehen aber hier standen wir nun selber davor: Das verzweifelte Bellen der Hunde, der Gestank, das Elend der eingepferchten Tiere …

Da es tatsächlich Ungereimtheiten in den Papieren zu geben schien, entschied die Polizei, dass der Transporter erst einmal nicht weiterreisen darf. Die Tiere, insgesamt 14 Hunde und 7 Katzen mussten untergebracht werden. Hier waren wir vom Tierheim Melle gefragt.

Sofort informierten die beiden Kolleginnen direkt einige Ehrenamtliche unseres Vereins. Schnell mussten Quarantäneboxen hergerichtet werden und wohin mit dieser großen Anzahl von Hunden? Denn unser noch nicht vollständig fertiger Hundebereich ist bei weitem nicht für eine so große Anzahl von Hunden ausgelegt.

Hier bewährte sich einmal mehr der sehr gute Draht zu unseren Tierschutzfreunden in Lübbecke. Ein Anruf, ein Gespräch und ohne viel Aufhebens wurde Hilfe zugesagt.

Zuerst kamen die Katzen im Tierheim Melle an. In 3 kleinen Boxen waren insgesamt 7 Tiere. 4 halbwüchsige ca. 3 Monate alte Katzen und Kater sowie 3 Katzenbabys von ca. 7 Wochen. In den Transportboxen war völlig durchnässte Pappe, leere Brötchentüten oder nasses Vlies. Während des langen Transports hatten die Tiere sich in den Boxen lösen müssen, so dass diese mit Kot und Urin stark verunreinigt waren.

Umgesetzt in unsere Quarantäneboxen stürzten sich die Katzen regelrecht auf das Wasser und leerten die Näpfe zügig. Auch das Futter wurde sofort gierig angenommen.

Ein noch schlimmeres Bild boten die dann eintreffenden Hunde. In jeder der Gitterkäfige war das Bodenblech nass und mit Kot verschmiert. Alle Käfige wurden vorerst im Empfangsbereich abgestellt. Wir warteten auf die die Helfer aus Lübbecke, um uns gemeinsam zu beratschlagen und die Hunde dann bestmöglich aufzuteilen.

Der stechende Geruch der die Tiere und ihre Käfige umgab, war schlecht zu ertragen. Einige Helfer hielten trotz der geöffneten Eingangstür diesen Gestank nur schwer aus. Wie viel schwerer war das für die Hunde, die eine deutlich empfindlicher Nase haben, zu ertragen?

Eine Hündin konnte nicht mehr an sich halten und urinierte in ihren Käfig in dem sie weder aufrecht stehen, noch sitzen konnte. Verzweifelt versuchte sie in der Folge das bereits vor Urin triefende Vlies in ihrem Käfig über ihren frischen Urin zu ziehen. Dann kam es noch schlimmer, sie musste Kot absetzen. Völlig angewidert stand sie nun in ihren Fäkalien. Die Helfer versuchten nach und nach mit neuen Einmalunterlagen das Leid etwas abzumildern, entfernten die nur teilweise vorhandenen nassen und zugeschissenen Pappunterlagen. Zwar waren in den Käfigen Plastiknäpfe enthalten, diese waren aber leer und/oder völlig mit Fäkalien verdreckt.

Einige Hunde bellten, andere versuchten alles um Kontakt zu uns aufzunehmen als hofften sie dadurch endlich aus ihrer misslichen Lage zu kommen und 3 – 4 Tiere waren wohl so erschöpft oder so hoffnungslos, dass sie nur noch in ihren eigenen Exkrementen lagen, den Kopf gesenkt so gut wie nicht ansprechbar.

Dann gab wir ihnen Wasser aus frischen Näpfen und plötzlich erwachten alle Lebensgeister, die Hunde stürzten sich quasi auf das angebotene Nass und konnten gar nicht genug davon bekommen. Wie lange hatten sie wohl nichts zu trinken bekommen?

Zwei mittelgroße Hunde waren so beengt untergebracht, dass sie sich nicht einmal gleichzeitig hinlegen konnten. Entsprechend gereizt gingen sie teilweise miteinander um – wer konnte es ihnen verdenken …

Dann kamen die Helfer vom Tierheim Lübbecke.

Unser Tierheim verfügt nur über einen sehr kleinen Hundebereich der zudem noch nicht endgültig fertiggestellt ist. Deshalb war es für uns absolut erleichternd, dass unsere Helfer aus Lübbecke bereit waren alle Hunde in ihrem Tierheim in Lübbecke aufzunehmen und so luden wir die Tiere um.

Rosa, dass verzweifelt bellende Dackelmädchen, dass sich in ihrer Katzenbox nicht mal umdrehen konnte. Rafaelo, vielleicht ein Spitzmischling der schon etwas älter war und dessen Kot überall im Rückenfell klebte, Zilla die noch so verzweifelt versucht hatte ihre Fäkalien irgendwie selber abzudecken, die schwarze Julia, die wohl Älteste des Transports, die vermutlich blind und entsprechend überfordert mit der Gesamtsituation war und all die anderen.

Ein gutes Gefühl solche Tierschutzfreunde zu haben und diese Tiere in ihre Hände geben zu dürfen. Ab jetzt würde es den Hunden bald besser gehen. Ein riesengroßer Dank an das Team vom Tierheim Lübbecke!

Spät in dieser Nacht fuhren alle nach Hause. Müde, erschöpft und selber nach diesem schlimmen Geruch stinkend. Schlafen ging nicht so richtig, immer wieder kamen die Bilder hoch, das Bellen – warum all das?

Handelte es sich tatsächlich um einen angeblichen Tierschutztransport?

Wie passten zu diesen bunt durcheinandergewürfelten Hunden die Rassekatzen bzw. Rassekatzenmischlinge?

Am Montag hieß es erst einmal Aufräumen im Tierheim Melle. Unter anderem der Empfangsbereich musste gründlich gereinigt werden, denn immer wenn sich die Hunde während der Wartezeit bewegt hatten, spritzen ihre Fäkalien aus ihren Käfigen.

Nach verschiedenen Telefonaten stand dann im Laufe des vormittags zu unserem großen Bedauern fest, dass das Veterinäramt Osnabrück den Transporter zum Zielort Niederlande weiterreisen lässt. Die dortigen Behörden würden sich dann um alles Weitere kümmern. Wir müssten die Katzen an die Fahrer herausgeben.

Mittags war es dann soweit, die Fahrer tauchten auf mit den gleichen 3 Katzenboxen aus denen wir in der Nacht zuvor die Katzen herausgenommen hatten. Nicht bei einer der Boxen war wenigstens der Versuch gemacht worden, diese für den Weitertransport herzurichten, die Boxen sahen genauso aus wie am Abend zuvor, zugekotet und nass.

Wir leerten die zu kleinen Boxen von dem verdreckten Inhalt und wir schrubbten Kot und Urin aus den Boxen damit die Tiere unter den gegebenen Umständen wenigstens auf trockenen und sauberen Unterlagen ihre weitere Reise antreten durften.

Mittlerweile hatten bereits 2 Menschen aus den Niederlanden angerufen, die auf ihre Hunde warteten und wissen wollten, wann die Reise wohl weiter geht. Durch diese Anrufer wissen wir nun, dass der Transport offiziell von einer Tierschutzorganisation initiiert wurde.

Selbst seit Jahren im Tierschutz tätig, war diese Erkenntnis für uns mehr als erschreckend. Wenn einem ein Tier auch nur ein bisschen was bedeutet, wie kann man dann so einen Transport unter diesen Verhältnissen organisieren?

Wie kann man so eine entwürdigende, ja für einige Tiere sicher auch traumatisierende, Aktion starten?

Welche zukünftigen Halter werden ihre zugekoteten, schlimm stinkenden, erschöpften und völlig unterversorgten neuen Hausbewohner in dieser Form mit gutem Gewissen in die Arme schließen können?

Bei diesem Transport gab es keinerlei Qualität für die Tiere. Rechtfertigt Tierschutz so etwas? Oder steht hier wieder einmal etwas ganz anderes im Mittelpunkt nämlich der Gewinn für die Menschen? Die im Transporter enthaltenen Rassekatzen könnten diese Theorie stützen …

Heutzutage scheint es manchmal so, als wollten sich manche Tierinteressenten ein Wettrennen liefern. Wer rettet das vermeintlich ärmste Tier?

Und so wird gern mitgeteilt: “Unser Hund kommt aus dem Ausland, weil dort haben die Tiere Hilfe richtig nötig!”

Jeder der sich aufgrund eines Bildes ein Tier aus dem Ausland bestellt sollte genau schauen ob die Organisation wirklich vertrauenswürdig ist.

Wie werden die Tiere teilweise über Tage nach Deutschland transportiert?

So einen Transport wie den hier geschilderten zu unterstützen, ist ganz klar kein Tierschutz! So etwas sollte man keinem Tier zumuten.

Unterm Strich bleibt uns nur die kleine Hoffnung, dass die Hunde wenigstens an ihrem Ankunftsort von Menschen erwartet wurden, die es zumindest ab jetzt gut mit ihnen meinen und die Rassekatzen nicht in die Hände des nächsten Vermehrers gekommen sind.