Ich möchte mein Tier im Tierheim abgeben!

Project Description

Viele Menschen meinen, dass es die Pflicht von Tierheimen/Tierschutzorganisationen ist, Tiere die sie abgegeben wollen, auch direkt aufzunehmen. Dies ist nicht richtig.

Zwei realistische Anfragen:

Vorgang 1:

Man habe sich vor 2 Wochen einen Hund angeschafft. In der Anzeige stand, der könne alleine bleiben, liebt Kinder und Artgenossen, sei ganz problemlos. Nun ist der aber gar nicht lieb, er bellt dauernd, springt die Kinder an und habe jetzt den Nachbarshund gebissen. So habe man sich das nicht vorgestellt, der Hund müsse sofort weg, wann man ihn zu uns bringen könne?

Vorgang 2:

Man habe zu seinen bereits vorhanden 2 Wohnungskatzen eine weitere Katze angeschafft. Nun verstehen die sich in der 50 qm großen Wohnung nicht. Die neue Katze solle so schnell wie möglich wieder weg, man wolle das Tier im Tierheim abgeben.

Im Sinne der Tiere würde wohl jedes Tierheim am liebsten sagen: “Bringen Sie uns das Tier.” In der Realität ist dies jedoch so nicht möglich. Es gibt zwei Faktoren die leider nicht unbeachtet bleiben können:

Faktor Platz

Wie weit sind die Aufnahmekapazitäten im Tierheim bereits ausgereizt? Gibt es eine adäquate Unterbringungsmöglichkeit für das Tier?

Sind z. B. bei Anfragen für Katzen alle unsere Katzenstuben/Quarantäneboxen belegt, ,so ist es nicht möglich noch weitere Tiere aufzunehmen. Bei Anfragen für Hunde müssen wir derzeit noch Rücksprache mit unseren Pflegestellen halten, ob dort eine Aufnahme möglich wäre.

Faktor Geld

In den überwiegenden Fällen ist es so, dass Tiere die abgegeben werden sollen keinen ausreichenden Impfschutz haben, viele sind nicht gechipt. Tiere die kastriert sein sollten (wie z. B. Katzen, Kaninchen) sind häufig nicht kastriert. Manche Tiere werden auch wegen Erkrankungen abgegeben (z. B. Katze kratzt sich immer blutig, Hund hat einen Tumor).

Die meisten dieser Tiere benötigen also vor einer adäquaten Vermittlung erst einmal eine medizinische Grundversorgung die je nach Tier mindestens ca. 100 EUR oft jedoch mehrere 100 EUR beträgt. Zuviel, als das Tierheime/Tierschutzorgas diese Kosten voll tragen könnten. Auch wenn über die jeweilige Schutzgebühr irgendwann wieder etwas Geld hereinkommt, ist dieses Geld leider in den überwiegenden Fällen nicht kostendeckend.

 

Abgabekaninchen Murmel und Urmel

Kosten eines Kaninchenpaares

Vor kurzem nahmen wir 2 Kaninchen auf. Die ehemaligen Halter gaben, selbst gewählt, 50 EUR Abgabegebühr. Auf den ersten Blick ein gar nicht so geringer Betrag als Startschuss in ein neues Leben. Beide Tiere waren komplett ungeimpft, das Böckchen unkastriert. Die Tiere mussten gegen RHD 1+2 (25 EUR pro Tier) sowie gegen Myxomatose (10 EUR je Tier) geimpft werden. Allein das Impfen schlägt also mit insgesamt 70 EUR zu Buche. Ein Tier zeigte Auffälligkeiten, es stellte sich heraus, dass es Probleme mit den Zähnen hat – Kosten für die 1. Zahnbehandlung 65 EUR. Hinzu kommt für dieses Tier noch eine Augensalbe sowie die Kastration.

Unter Narkose wurden Urmels schiefen Zähnchen auf ein Niveau geschliffen.

Bis jetzt belaufen sich die Kosten nur für die medizinische Versorgung der Tiere bereits auf insgesamt ca. 180 EUR. Hinzu kommen nun noch die laufenden Kosten für Futter, Streu, Fahrtkosten zum Tierarzt, sowie weitere Zahnsanierungskosten bis zur Vermittlungen. Das Kaninchen mit der Zahnproblematik ist schwer vermittelbar, dementsprechend lange wird seine Verweildauer in der Pflegestelle sein (und dementsprechend höher die für ihn zu tragenden Kosten). Glücklicherweise arbeiten unsere Pflegestellen rein ehrenamtlich, erledigen Fahrten und vieles mehr so, dass unserem Tierheim keine weiteren Kosten für deren Aufwand entstehen.

Will ein Tierheim/Tierschutzverein also dauerhaft überleben und die ihm anvertrauten Tiere anständig versorgen, ist es unerlässlich, dass der abgebende Tierhalter für das von ihm an seinem Tier Versäumte zumindest zum Teil aufkommt.

Abgabetiere

Wenn Anfragen an uns wegen einer Tierabgabe gestellt werden, nehmen wir uns immer wieder viel Zeit um die Lage mit dem Abgebenden zu besprechen und Lösungsansätze aufzuzeigen. Natürlich können wir echte Notsituationen, in die jeder kommen kann, nachvollziehen. Immer wieder beraten wir und in Einzelfällen, wenn wir Kapazitäten frei haben, helfen wir und nehmen Abgabetiere auf.

Vermittlungshilfe

Sollte dies nicht möglich sein, bieten wir immer die sogenannte “Vermittlungshilfe” an. Das bedeutet die Vermittlungsarbeit obliegt dem Halter, wir bieten auf unserer Homepage aber die Plattform für die Vermittlungsanzeige. Diese direkte Halter-zu-Halter-Vermittlung hat den Vorteil, dass der Halter weiß wohin er sein Tier gibt. Zudem erspart diese Vorgehensweise dem Tier einen zusätzlichen Ortswechsel ins Tierheim. In den obigen Beispielen mit dem Hund und der Katze wurde hiervon leider kein Gebrauch gemacht.

Dies lässt manchmal den Anschein zu, als wollten einige Halter diesen, in ihren Augen, Aufwand nicht betreiben – eine schnelle, unverfängliche Abgabe des Tieres ans Tierheim ist wohl ihre Priorität.

Ab Anschaffung hat der Halter die Verantwortung

Die Verantwortung für ein angeschafftes Tier trägt in erster Linie jeder Tierhalter – nicht irgendein Tierheim. Jeder Tierhalter muss vor der Tieranschaffung überlegen welche Verpflichtung er mit dem Tier und allem was dazugehört dauerhaft übernimmt.

Kein Tierheim und keine Tierschutzorganisation ist dazu verpflichtet, jedwede Tiere aufzunehmen, trotzdem helfen viele Tierheime und Organisationen immer wieder Tieren und ihren Haltern aus echten Notlagen.

Zur Aufnahme von Tieren verpflichtet ist ein Tierheim dann, wenn es die Aufgabe der Fundtierbetreuung in einem Landkreis oder einer Stadt übernommen hat und dort in Zusammenarbeit mit den Behörden Fundtiere aufnimmt.